Kurzbiografie: Bommern
Einwohner: ca. 8.517 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche: 6,13 km²
Lage: Nordrhein-Westfalen, Ennepe-Ruhr-Kreis, Stadtteil von Witten, südlich der Ruhr gelegen, im Herzen des Ruhrgebiets, eingebettet in die bewaldeten Hänge des Muttentals und die Ruhrauen
Anreise: Über die A45 (Sauerlandlinie) mit den Anschlussstellen Witten-Zentrum und Dortmund-Süd; die B226 führt durch den Ort; Bahnanschluss über den Bahnhof Witten-Bommern mit Regionalverkehr (RB40, S5, RE16, RE34, RE4) Richtung Dortmund, Hagen, Essen und Witten Hauptbahnhof; Buslinien 371, 379, SB38, E79 und NE17 erschließen den Stadtteil; die Ruhrbrücke verbindet Bommern mit dem Wittener Stadtzentrum
Besonderheiten: Erstmals um 1150 als Bodonburion urkundlich erwähnt, ehemaliger Bergbauort mit fast 500 Jahren Bergbaugeschichte, Heimat des LWL-Industriemuseums Zeche Nachtigall, bekannt für den 9 km langen Bergbauwanderweg Muttental (Teil der Route der Industriekultur), am 1. August 1929 nach Witten eingemeindet, durch die Ruhr vom restlichen Stadtgebiet getrennt, beliebtes Ausflugsziel mit reicher Industriekultur
Ortsbeschreibung: Bommern – Bergbau, Ruhrromantik und Industriekultur im Wittener Süden
Bommern ist ein Stadtteil von Witten, der seine bergbauliche Vergangenheit nicht nur bewahrt, sondern als lebendiges Kulturerbe erfahrbar macht. Gelegen südlich der Ruhr, eingebettet in die bewaldeten Hänge des Muttentals und die malerischen Ruhrauen, verbindet der Ort industrielle Geschichte mit naturnaher Erholung. Die erste urkundliche Erwähnung als Bodonburion stammt aus dem Jahr 1150, als der Ort dem Kloster Werden geschenkt wurde. Diese lange Geschichte prägt das Selbstverständnis bis heute: Bommern versteht sich nicht als verschlafener Vorort, sondern als aktiver Teil Wittens mit eigener Identität, in der Bergbautradition und moderne Wohnkultur sich sinnvoll verbinden.
Das kulturelle Leben Bommerns ist untrennbar mit seiner bergbaulichen Vergangenheit verwoben. Die fast 500 Jahre Bergbaugeschichte haben den Stadtteil geprägt wie kaum ein anderer Aspekt. Bereits 1645 wurde die Zeche Nachtigall erstmals erwähnt und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Bergwerke der Region. Die Einwohnerzahl wuchs durch den Zuzug von Bergleuten rasant: von rund 348 Einwohnern im Jahr 1804 über 1.590 im Jahr 1839 bis auf 3.922 im Jahr 1905. Zum Ende des 19. Jahrhunderts lebten bereits rund 4.000 Menschen in Bommern. Diese historische Kontinuität ist bis heute spürbar: Bommern versteht sich als authentischer Ort der Industriekultur, in dem Vergangenheit und Gegenwart sich sinnvoll verbinden.
Das kulturelle Alleinstellungsmerkmal Bommerns ist zweifellos der Bergbauwanderweg Muttental. Dieser 9 km lange Rundweg südlich der Ruhr wurde ab 1972 angelegt und ist heute Teil der Route der Industriekultur. Er führt durch das wunderschöne Muttental und verbindet mehr als 30 historische Bergbau-Stätten auf engem Raum. Besucher können ehemalige Stolleneingänge, Fördereinrichtungen und andere Zeugnisse des Steinkohlebergbaus entdecken. Der Weg ist nicht nur Lehrpfad, sondern auch beliebtes Wanderziel für Einheimische und Touristen gleichermaßen.
Ein weiteres kulturelles Highlight ist das LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall. Das ehemalige Steinkohlebergwerk wurde zu einem technischen Museum umgewandelt und ist heute eine Außenstelle des LWL-Industriemuseums. Hier können Besucher 300 Jahre wechselvoller Bergbaugeschichte erleben und erfahren, wie einst unter Tage gearbeitet wurde. Die Zeche Nachtigall ist nicht nur Museum, sondern auch Ausgangspunkt für die Muttenthalbahn und verschiedene Führungen.
Das kulturelle Angebot wird durch ein lebendiges Vereinsleben ergänzt. Der Heimat- und Geschichtsverein Bommern besteht seit 1984 und widmet sich der Erforschung und Bewahrung der Ortsgeschichte. Der SV Bommern 05 e.V. wurde 1905 gegründet und hat sich zu einer festen Größe in der lokalen Fußballszene entwickelt. Der TuS Bommern 1879 e.V. bietet neben Handball auch Badminton und andere Sportarten an. Weitere Vereine wie der Männergesangverein Lyra 1909, der Tennisclub Bommern und die Evangelische Gemeinde gestalten das kulturelle Leben mit.
Die regionale Identität Bommerns ist stark von der Lage an der Ruhr geprägt. Witten und Bommern werden durch die Ruhr voneinander getrennt. Die Ruhrbrücke, deren moderne Version 1996 erbaut wurde, verbindet den Stadtteil mit dem Wittener Zentrum. Diese geografische Besonderheit hat Bommern über die Jahrhunderte eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt, trotz der Eingemeindung nach Witten am 1. August 1929.
Die Wirtschaft Bommerns war traditionell vom Bergbau geprägt. Nach dem Ende des aktiven Bergbaus wandelte sich der Stadtteil zunehmend zu einem Wohnort im Ruhrgebiet. Heute profitieren viele Einwohner von der guten Verkehrsanbindung in die umliegenden Städte. Die Infrastruktur des täglichen Bedarfs ist vorhanden, spezialisierte Angebote finden sich im nahen Witten-Zentrum, Dortmund oder Bochum.
Die politische Kultur Bommerns ist geprägt von bürgernaher Mitgestaltung. Als Stadtteil von Witten wirkt Bommern über Bezirksvertretungen an lokalen Entscheidungen mit. Themen wie Nahmobilität, Erhalt der Grünflächen, Stärkung des Einzelhandels und die Bewahrung des kulturellen Erbes stehen regelmäßig auf der Agenda. Der demografische Wandel wird aktiv gestaltet: Durch attraktive Wohnlagen, gute Verkehrsanbindung und ein starkes Vereinsnetzwerk gelingt es, Familien im Ort zu halten.
Gesellschaftlich ist Bommern ein Ort des Miteinanders. Die Ruhrgebiets-Mentalität – bodenständig, direkt, solidarisch – prägt das Zusammenleben. Kirchliche Gemeinden, Vereine und Nachbarschaftshilfe gestalten das Miteinander. Die Nähe zur Ruhr, die Wälder des Muttentals und die Industriekultur schaffen einen Raum, in dem Geschichte erlebbar wird. Für Besucher bietet Bommern einen authentischen Einblick in die Kultur des Ruhrgebiets. Es ist ein Ort, an dem man Bergbaugeschichte anfassen, auf dem Bergbauwanderweg wandern und mit Einheimischen ins Gespräch kommen kann. Die Kultur ist hier keine Inszenierung, sondern gelebte Praxis. Wer das Ruhrgebiet jenseits der Klischees verstehen will, findet in Bommern ein Beispiel dafür, wie industrielle Vergangenheit, regionale Identität und moderne Entwicklung sich verbinden lassen.
Ausflüge in die Umgebung
Witten-Zentrum: Historische Innenstadt mit Rathaus, Märkischem Museum und Einkaufsmöglichkeiten – nur etwa 10 Minuten mit dem Auto oder Bus über die Ruhrbrücke entfernt.
Kemnader See: Beliebter Freizeitsee mit Wassersport, Radwegen und Gastronomie – rund 15 Minuten mit dem Auto.
Zeche Nachtigall und Muttental: Das LWL-Industriemuseum und der Bergbauwanderweg direkt vor der Haustür – ideal für historische Entdeckungstouren.
Hattingen: Historische Altstadt mit Fachwerkhäusern, Isenbecker Schloss und Ruhrschleuse – etwa 20 Minuten mit dem Auto.
Bochum: Ruhr Museum, Zeiss Planetarium, Jahrhunderthalle und Einkaufsmeile – rund 25 Minuten mit Bahn oder Auto erreichbar.
Dortmund: Westfalenpark, Deutsches Fußballmuseum, Zoo und Einkaufsstadt – etwa 30 Minuten mit der S-Bahn oder dem Auto.
Hagen: Freilichtmuseum Hagen, Hagener Museen und Nähe zum Sauerland – rund 25 Minuten mit dem Auto.
Essen: UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein, Folkwang Museum und Grugapark – etwa 35 Minuten mit Bahn oder Auto erreichbar.
Sprockhövel: Bergbaumuseum und Naturschutzgebiete im Ennepe-Ruhr-Kreis – rund 20 Minuten mit dem Auto.
Wetter (Ruhr): Burg Wetter, Harkortsee und Naherholungsgebiet – etwa 15 Minuten mit dem Auto.
Hinweise: Alle Einwohnerzahlen und Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen und können sich geändert haben. Für aktuelle Informationen empfehle ich die Webseite der Stadt Witten oder das örtliche Bürgerbüro. |